Kreta: Im Canyon auf den Spuren von Indiana Jones

Eine der prägendsten Erfahrungen meines letzten Urlaubs auf Kreta war ein Tagesausflug zum Agios Antonios Canyon. Hier habe ich gelernt, dass ich zu mehr fähig bin, als ich jemals gedacht hätte, dass ich in der Lage bin meine Ängste zu überwinden und, dass mir das erst noch riesige Freude bereitet.

Alles fing früh morgens an. Von den Mitarbeitern des Hapimag Resorts Damnoni hatten wir einen Geheimtipp bekommen. Statt – wie alle anderen Touristen – eine Tour durch die Samaria-Schlucht zu machen, machten wir uns auf zu einem kleineren weniger bekannten Canyon. Wie aus einem Abenteuerfilm, erzählte man uns. Und wer kann solchen Versprechen schon widerstehen? Rucksäcke gepackt, Navi eingestellt und schon ging es über Berg und Tal zum Eingang des Agios Antonios Canyon. Einmal mehr zeigte sich: Ein vernünftiges Auto ist auf der bergigen Insel Gold wert!. Ein kleines übrigens auch. Denn, wer sich durch enge steile Gassen und dicht bebaute Städte schlängeln will, kommt mit einem geräumigen SUV nicht weit.

Am Eingang der Schlucht angekommen, sieht zunächst alles ziemlich harmlos aus. Schilder weisen in eine gemütliche Taverne, andere zu trägen Eseln, die ihre Köpfe über dicke Holzzäune den Besuchern zum Streicheln entgegen strecken. Dafür hatten wir aber keine Zeit, schliesslich wartete ein echtes Abenteuer auf uns. Die ersten Meter durch die Schlucht sind easy. Mit ordentlichen Schuhen schafft das jeder. Umgeben von üppigem Grün geniesst man die frische Luft. Ein Fluss sucht seinen Weg zwischen die Felsen hindurch. Man passiert eine erste wackelige Holzbrücke, die sich hervorragend als Fotomotiv eignet. Danach trifft man auf einen gemütlichen Grillplatz und jede Menge Felsen zum Sitzen. Wer sich nicht anstrengen möchte, für den ist hier definitiv Schluss. Höchstens der Gang zum Antonios-Denkmal ist vielleicht noch drin. Die kleine Kapelle ist in Stein gebaut und viele Pilger lassen hier seit Jahrhunderten Opfergaben zurück. Ich finde solche Stätten immer faszinierend. Man kann die Geschichte, die in den Felsen steckt, richtig spüren.

Für uns ging es weiter. An der zweiten Brücke hat man die Wahl. Biegt man rechts ab, läuft man über einen einigermassen gut ausgebauten Wanderweg und kann später einen steilen Weg hinauf zu einem Aussichtsplateau kraxeln. Die Aussicht ist fantastisch! Geht man allerdings links über die Brücke und weiter die Schlucht hinab, lässt man sich auf ein richtiges Abenteuer ein.

Da wir wirklich sehr früh auf den Beinen waren und den Eingang der Schlucht schon gegen 8 Uhr betreten hatten, war kein anderer Mensch zu sehen. Um uns herum nichts als Felsen, tropische Pflanzen, bunte Schmetterlinge und singende Vögel.
Ich rate jedem, sich immer wieder die Zeit zu nehmen, stehen zu bleiben und sich umzusehen. So stelle ich mir das Paradies vor! Bloss weniger anstrengend. Denn der Weg durch das Paradies namens Agios Antonios Canyon ist steinig und nicht gut ausgebaut. Zwischendurch fühlt man sich wie Indiana Jones – in weiblich natürlich. Hat nur noch der Hut gefehlt. Strickleitern helfen, sich an riesigen runden Felsen hinab zu schlängeln, provisorische Holzleitern führen über Abgründe und teilweise reissende Flussteile und statt einem vernünftige Geländer, schützen einen nur Kletterseile davor, von den fussbreiten Klettersteigen zu stürzen. Man quetscht sich zwischen Felsen hindurch, watet durch Flussläufe und kann, wenn man sehr mutig ist, sogar unter einem versteckten Wasserfall duschen. Aber was rede ich viel herum, die Fotos sprechen Bände!

Wer ein kleines Abenteuer erleben möchte, sollte diesen Ausflug unbedingt machen! Jedoch nur in Begleitung. Denn allein ist hier wirklich ziemlich allein. Vier Stunden sind wir durch die Schlucht geklettert und keiner Menschenseele begegnet. Wenn hier etwas passiert, kann einem niemand so schnell helfen. Vorsicht ist sicherlich geboten. Was einen nicht abhalten soll, dieses Naturwunder zu entdecken. Es lohnt sich!

Gastbloggerin Kathy

www.hof-love.blogspot.ch