Calçotada: köstlich amüsiert

Das Essen aus Katalonien ist weltweit bekannt. Trotzdem kennen nur wenige Urlauber die «Calçotada» – eine Spezialität zu Ehren des gleichnamigen Volksfests. Der Geschmack ist etwas ganz Besonderes – und auch die Technik, wie man sie isst.

Die Costa Brava, die wilde Küste unweit von Barcelona, ist während des ganzen Jahres einen Besuch wert – im Sommer für Strandurlaub oder einen Segeltörn, im Herbst oder Winter fürs Golfen und im Frühjahr für die gastronomischen Highlights der Region.

Die wohl aussergewöhnlichste Spezialität dabei ist Calçotada. Die namensgebenden «Calçots» sind eine Art Frühlingszwiebeln, die aber leicht süsslich schmecken. Die rund 30 Zentimeter lange Verwandte der Lauchzwiebel wird beim katalonischen Bauernfest Calçotada, das seine Ursprünge in der Stadt Valls hat, gleich tonnenweise verzehrt.

Das Fest findet inzwischen in zahlreichen Regionen im Osten Kataloniens statt, und zwar im Übergang vom Spätwinter zum Frühjahr. Schon wegen dieses Gerichts lohnt es sich auch, zu dieser nicht ganz typischen Reisezeit nach Spanien zu fahren.

«Ein wahres Happening»

«Calçotada schmeckt nicht nur sehr lecker, sondern ist auch sehr lustig zu essen», sagt Philippe Weibel, der Resort Manager des Hapimag Resorts Mas Nou. Er weiss, wovon er redet, schliesslich ist der passionierte Gastgeber seit Jahren in Spanien tätig. Noch bis Ende März wird das Traditionsgericht Calçotada jeden Tag auf der Speisekarte im hauseigenen Restaurant angeboten. Weibel erklärt, weshalb das Gericht so speziell ist: «Calçotada ist nicht nur ein Essen, sondern ein wahres Happening.»

Die Frühlingszwiebeln, die rund einen halben Meter messen, würden dabei grilliert und auf einem vorgewärmten Dachziegel serviert. «Lauwarme Romesco-Sauce und Rotwein aus der Region dürfen keinesfalls fehlen», betont Weibel.

Das eigentliche Erlebnis ist der Verzehr dieser Spezialität: Dazu wird der angekohlte untere Teil der Calçots mit den blossen Händen geschält, bis der innere, butterweiche Teil zum Vorschein kommt. Diesen tunkt man in die Romesco-Sauce, eine Spezialität aus Paprika, Mandeln und Essig, und führt dann das Ganze zum Mund. Diese alte Tradition heute aufrechtzuerhalten, ist nicht ganz leicht, denn die Calçots tropfen und sind nur mit etwas Geschick zu halten.

Gemütliches Zusammensein

«Deshalb verteilen wir unseren Gästen wie bei den Festen in den katalonischen Städten einen Latz beim Essen von Calçotada», sagt Weibel. Das Gericht sei einfach «ein grossartiges Vergnügen». Am besten bestelle man Calçotada in einer Gruppe. «Dann amüsiert man sich prächtig», schmunzelt Weibel. Aber auch zu zweit ist das Gericht eine Erfahrung, die man nicht so schnell wieder vergisst. Zu den Frühlingszwiebeln werden Koteletts oder Blutwürste vom Grill serviert.

Im Restaurant des Hapimag Resorts Mas Nou heizt Weibel mit seinen Köchen im März jeden Abend den Grill ein, um den Gästen dieses Wintermenü zu servieren. «Vor einigen Tagen hatten wir ein Paar hier, das sich beim Essen von Calçotada köstlich amüsiert hat», erzählt Weibel. In den Städten und Dörfern in Katalonien ist Calçotada ein Fest, das Alt und Jung zusammenbringt. Es gibt auch einen Wettbewerb, bei dem es darum geht, wer am meisten Frühlingszwiebeln verzehren kann.

Genau richtig sind da die zwölf Calçots, die man im Restaurant beim Hapimag Resort Mas Nou serviert bekommt. Abgerundet werden sie von der Romesco-Sauce sowie Brot und Fleisch nach Wahl. Resort Manager Philippe Weibel bringt es auf den Punkt: «Es ist erstaunlich, wie lecker ein so einfaches Menü sein kann, das dabei erst noch das gemütliche Zusammensein fördert.» Und dass es fast schon eine Reise nach Katalonien wert wäre, nur um sich einmal mit Latz und verkohlten Händen einem jahrhundertealten Gaumenschmaus hinzugeben.

David Torcasso

besitzt keinen Führerschein, aber ein Flugmeilen-Konto. Reist gerne an Orte abseits der Touristenpfade und hält seine Erlebnisse in Texten und Fotos fest. Seine Lieblingsdestination in Europa ist Berlin, in Übersee Varanasi in Indien.